Über den Dächern von Lemgo

In den vergangenen Schuljahren hat sich in der Mittelstufe 2 eine kleine Ausflugstradition entwickelt: Zu Beginn und zum Ende eines Schuljahrs fahren wir mit dem Stadtbus nach Lemgo und besteigen den Turm der Kirche St. Nicolai. Der Wunsch nach Wiederholung kommt aus der Schülerschaft. Am Anfang des Schuljahrs wollen die „alten Hasen“ den Neuen zeigen, was sie schon Besonderes in der M2 erlebt haben, kurz vor den Sommerferien möchten dann gerade diese ehemaligen „Neuen“ oft dieses Erlebnis wiederholen. Dahinter steckt der Wunsch, sich und den anderen zu beweisen, wie sehr der eigene Mut und das Zutrauen in sein eigenes Können im vergangenen Schuljahr gewachsen ist. Auch für die Erwachsenen ist es eine Herausforderung, die teilweise engen und steilen Treppen mit ausgetretenen Steinstufen oder das offene Holztreppenhaus mit den vielen Stufen zu bewältigen. Vorbei geht es dann an den Glocken, wo inzwischen jeder weiß, dass wir bei den viertelstündlichen Glockenschlägen nicht daneben stehen dürfen, weil es dann zu laut ist. Wer es dann nach ganz oben geschafft hat, wird nach Öffnung der Holzläden mit einem Blick über Lemgos Dächer belohnt. Bei klarer Sicht können wir sogar die Eben-Ezer-Kirche und Teile unserer Schule sehen. Die Erkenntnis, dass durch Entfernung große Dinge klein werden, erfolgt dabei ganz von alleine. Es ist immer wieder neu spannend mitzuerleben, wie unsere Schüler innerlich 10 cm gewachsen sind, wenn sie ihre Ängste bezwungen haben und wieder aus der schmalen Kirchturmtür nach dem Abstieg heraus kommen. Nils z.B. ist beim ersten Mal nur mit Zittern und Zagen bis zur Etage unter den Glocken mit hoch gegangen. Jetzt bei seinem letzten Mal mit der Mittelstufe hat er beschlossen: Ich bin mutig und schaffe es bis oben hin alleine!!                                                

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